Abschalten - Auftanken - dem Himmel nahe sein

 

 

Tanz und Musik können Burnout und Stress-Symptomen vorbeugen und neues Selbstvertrauen geben. Tänze sind Heilmittel. Und ganz besonders heilend sind sie an heiligen Orten. Deshalb dazu einige Gedanken. 

 

Beim Überqueren einer Klosterpforte denke ich: "Tritt ein! Lass Lärm und Hast hinter dir! Finde zu dir selbst zurück!"  Das bewusste Überschreiten der Schwelle zwischen Alltag und Besinnung lassen mich zur Ruhe kommen, lassen die Seele aufatmen. Hier zwischen den uralten Mauern weht ein anderer Wind. Hier wurden über Jahrhunderte oder Jahrtausende Gebete zum Himmel geschickt. Hier bin ich ein Teil des Ganzen. Hier kann ich auftanken. Oft genügt schon ein Wochenende, um zu spüren, wie gut eine Auszeit unserem Leben tut.

  

Dabei muss es nicht ein bestimmtes Kloster sein, nein, der Effekt stellt sich immer ein, egal, ob es ein „richtiges“ Kloster ist, in dem noch Mönche leben, oder ob es sich inzwischen um ein Bildungshaus handelt, und egal, ob es in Deutschland oder im sonnigen Süden liegt. Vielleicht ist es schon lange verlassen, nur noch eine Ruine - oder ein Kraftort in der Natur.


Viele nehmen sich im Urlaub Zeit für all die Dinge, die in ihrem täglichen Einerlei keinen Platz mehr haben: Freunde besuchen, Musik hören, ein gutes Buch lesen, mit den Kindern spielen, verreisen oder einfach mal die Seele baumeln lassen. Aber auch im Alltag kann man sich Inseln der Ruhe schaffen. Leider lassen wir uns den Sonntag häufig mit Terminen vollstopfen statt ihn wie früher als Tag der Ruhe zu nutzen. So müssen wir bewusst nach anderen Oasen zum Auftanken suchen.


Beim meditativen Tanzen gebe ich Anregungen und Impulse für Körper und Geist. Besinnliche Texte und harmonische Melodien berühren unsere Seele. Meditation kann mehr sein, als in Stille die eigene Mitte zu finden. Bei Kreistänzen mit einfachen Schritten kann man sowohl die Melodie auf sich wirken lassen als auch hören, was die Texte zu sagen haben. Hinzu kommt der Austausch über Schriftstellen, Gedichte und Zitate. Passend dazu gemeinsam durch den Raum zu tanzen heißt sich ganzheitlich mit einem Thema zu beschäftigen.

 

Die Melodien tragen uns aus unserer Enge in die Freiheit. Die am Boden klebenden Füße werden leicht. Sowohl klassische Musik als auch Folklore oder aktuelle Songs mit Bezug zum Thema sind dafür geeignet. Wir müssen uns nur darauf einlassen. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Wer gehen kann, kann auch tanzen.“ Ich würde dies noch erweitern: „Wer tanzen kann, kann auch meditieren.“ 

 

"Meditation" bedeutet wörtlich übersetzt "die Mitte einüben". Jeder Tanz ist also Meditation. Tanzen schafft die Möglichkeit, zur Mitte zu finden, Kraft zu schöpfen und in Einklang mit sich selbst und der ganzen Gruppe zu kommen. In einer Atmosphäre wohltuender Offenheit und gegenseitigen Vertrauens kann ich meine Maske ablegen und zu neuen Erfahrungen bereit sein. Ich kann mich angenommen und geliebt fühlen. Ich kann dem Himmel nahe kommen. 

 

Fast jeder von uns kennt bestimmte Plätze, an denen wir uns gerne aufhalten, um zur Ruhe zu kommen. Nach esoterischen Vorstellungen gibt es Kraftorte mit besonderer Erdstrahlung. Hier nehmen wir die dort vorhandenen Energien wie kaum wahrnehmbare Schwingungen auf und empfinden ein Gefühl tiefer Geborgenheit. Bei Phantasiereisen werden Suggestitionen solcher Erlebnisse zur Vertiefung der Entspannung genutzt.

 

Häufig gelten Quellen, Flussufer, Schluchten, Berggipfel, Höhlen, Felsen, alte Bäume und Lichtungen, um die sich alte Sagen ranken, als Kraftorte. Die behaupteten Energien sind wissenschaftlich nicht nachweisbar, aber dennoch wirksam. Es wird vermutet, dass die Menschen früher mehr Gespür für Verdichtungen und die Konzentration universaler Lebensenergie hatten und an diesen Orten ihre Kultstätten errichteten. Zu den bekanntesten Kultstätten dieser Art zählen unter anderen der Uluru in Australien, Stonehenge in England, die Pyramiden von Ägypten, die Nazca-Linien in der Wüste von Peru oder die Externsteine in Deutschland.

 

Alte Kultplätze und später auf ihnen erbaute Kirchen hatten zudem eine astronomische Ausrichtung. Von Stonehenge ist bekannt, dass es nicht nur Ritualen diente, es war ein exakt ausgerichtetes Kalendarium, nach dem z.B. Aussaat und Ernte bestimmt wurden. Berücksichtigt man die Verschiebung von 4000 Jahren, dann zielt die Achse von Stonehenge exakt auf den Punkt des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende.  

 

Die Ausrichtung von Kultbauten entspringt einer uralten Art, das Licht zu messen. Sie ist bei fast allen frühzeitlichen Bauwerken zu finden und wurde auch von den mittelalterlichen Kirchen-Baumeistern eingesetzt. Die vorhandenen hydrologischen und geologischen Verhältnisse wurden gezielt durch den Klosterbau verstärkt, so dass ein Ort mit starker Ausstrahlung entstand. Klöster sind in der Regel Kraftorte, denen eine meist positive psychische Wirkung zugeschrieben wird. Von Beruhigung, Stärkung oder Bewusstseins-erweiterung wird berichtet. 

 

Die Wege zwischen den Klöstern verlaufen ebenfalls auf solchen Energiebahnen, und zwar durch ganz Europa. Bis zur Frühgotik wurden auch die zwischen den Feldern verlaufenden Kreuzwege energetisch konzipiert. Die an Kreuzungspunkten aufgestellten Wegkreuze werden bezeichnenderweise „Kruzifix“ genannt, d.h. sie tragen die Fixierung dieser Kreuzung in ihrem Namen. 

 

Diese alten Pfade wurden schon von den frühzeitlichen Nomadenstämmen benutzt und später von den Händlern und Wallfahrern weiterverwendet. Viele Pilger machen sich auch heute wieder auf den Weg (z.B. nach Santiago) und lassen sich von den daraus resultierenden Erfahrungen in ihrem Inneren berühren.

 

Auch bei meinen Tanzangeboten im Kloster bietet sich Gelegenheit, diesem alten Wissen nachzuspüren und wieder zu sich selbst zu finden. Die bereits geschilderte positive Wirkung des meditativen Tanzens wird durch die besondere Ausstrahlung des Ortes noch gesteigert. Er lässt uns „tanzen zwischen Himmel und Erde“.